Adonis, Aphrodite, Persephone – ein antiker Schmachtfetzen

Adonis wird von Ares ermordet

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/bf/Antonio_Tempesta_-The_Death_of_Adonis-_WGA22049.jpg

 

Freunde, dieser Beitrag ist dem schönen Adonis und seiner ewig jungen Aphrodite gewidmet


Es gibt verschiedene Varianten darüber, was und wie das in der Antike abgelaufen ist, mit Adonis, Aphrodite, Persephone und dem Mörder Ares. Künstler, Literaten und Komponisten, kleine und große, haben uns mit ihren Ansichten und Fantasien bekannt gemacht. Gemälde, Opern, Schriften und solche Sachen. Ich habe mich ihnen heimlich hinzugesellt und eine Kurzgeschichte geschrieben über „meinen Adonis“.
Dazu später mehr. Doch zuerst will ich Wikipedia zitieren:

In der griechischen Mythologie ist Adonis das Sinnbild der Schönheit und der Vegetation und einer der Geliebten der Aphrodite (oder ihrer römischen Entsprechung Venus). Er wird als wunderschöner Jüngling beschrieben. Ihre Liebe musste Aphrodite allerdings mit Persephone teilen. Zeus verfügte, dass Adonis jeweils den dritten Teil seiner Zeit bei Aphrodite oder Persephone leben sollte. Über das restliche Drittel konnte er frei verfügen.Nachdem der eifersüchtige Ares (oder seine römische Entsprechung Mars), der sich in einen wütenden Eber verwandelt hatte, Adonis verfolgt und schwer verwundet hatte, starb Adonis in den Armen Aphrodites. Diese ließ sein auf die Erde tropfendes Blut sich zu einem roten Adonisröschen (Adonis flammea) verwandeln und richtete Spiele zu Gedenken des Toten ein.
Es gibt verschiedene Fassungen dieses Mythos, bei denen Adonis stirbt, ohne sich mit Aphrodite zu vereinigen, und sein Blut Blumen oder einen Fluss im Frühjahr rot färbt.

Adonis läuft seiner Braut hinterher

Adonis läuft seiner Braut hinterher

Ich, leider kein Adonis, habe mir jenen ausgedacht und ihn mit Buchstaben erschrieben. Ich denke, alle EiferInnen der neuen Zeit zollen mir Beifall, ist doch mein Adonis kein Macho, sondern einer, der hinter seiner Braut herläuft, während sie sich bequem in einer Kutsche fahren lässt.

Der Autor in mir hat der griechischen Mythologie eine Variante hinzugefügt (dichterische Freiheit). Aphrodite, die ewig junge heiratet meinen Adonis. Und wenn sie nicht gestorben sind, so techteln und mechteln sie noch heute miteinander, zusammen mit der Persephone.

So man der griechischen Mythologie glauben will, dann hat die Dreiecksbeziehung Adonis-Aphrodite-Persephone den Ares so eifersüchtig gemacht, dass der kurzerhand den Adonis gekillt hat. Hollywood-Drama pur: Angeblich soll Adonis in den Armen seiner Aphrodite gestorben sein, ohne dass die beiden ihre sinnlichen Begierden ausleben konnten.

Shakespeare bedichtet Adonis und Aphrodite – eine rechte Schmonzette

Stelle fest, ich befinde mich in (guter???) Gesellschaft. Shakespeare soll eine Verserzählung „Venus and Adonis“ erdichtet haben.
Meine Meinung dazu? Shakespeare hat eine lange Schmonzette geschrieben, durch die ich mich vom ersten bis zum letzten Vers durchkämpfen musste. Auch dass seine Venus (Aphrodite), die Karikatur einer Amazone, hinter dem Adonis herläuft und ihn vernaschen will, das fühlt sich für mich falsch an.
Wenngleich meine Fassung keine Verserzählung ist, so würde ich doch gern wissen, ob und warum Ihnen meine Erzählung mehr zusagt.

Original William Shakespeare in deutscher Übersetzung:

Kaum daß vom thaubethränten Morgen schied
Das Purpurangesicht der schönen Sonne,
Als auch Adonis schon zum Waidwerk zieht;
Er haßt die Liebe, Jagd ist seine Wonne.
Ihm nach eilt Venus, voll von Liebesfeuer,
Und wirbt um ihn, ein ungestümer Freier.

Ein paar Verse weiter reißt Aphrodite den Knaben (Adonis) „Der in der Liebe Spielen unerfahren“ vom Sattel. Dann wirft sie ihn nieder und „wünscht, dass er sie stieße„. Glauben Sie nicht? Bitte hier lang

🙂 🙂 🙂

Leseprobe aus meinem Buch Zeitbrücke Geschichten zwischen Damals und Heute

ADONIS

Ich werde heiraten. Wen? Sag ich jetzt nicht. Nehmen wir an, es ist die Windsbraut.

Alle sind gekommen. Die Oberwichtigkeitsleute. Das Maulaffenvolk. Zu meiner Hochzeit. Zu meiner Hochzeit mit der Windsbraut.

Die Brautkutsche, gezogen von vierundzwanzig Delphinen, begleitet von dreiundvierzig Untieren, taucht empor aus der zeitlosen Finsternis. In der Kutsche sitzt die, die ich heiraten werde, sitzt meine Windsbraut. Die hält ein bleiches Schwert in ihren Händen. Sie schwingt die Weltenpeitsche und schreit: »Allez, le bleu! Plus vite, mes enfants, plus vite!«

Die Delphine, von den Untieren gejagt, geben ihr Letztes. In rasender Fahrt stürmen sie dahin. Ich, der Heiratswütige, hinterher, aber nicht in einer Kutsche, nein, ich bin der Nachläufer, ein Hinterderbrautherläufer. Ich werde von einhundertneunundzwanzig Nebelkrähen begleitet, die haben ihre Flügel drohend ausgebreitet und von der ersten Dämmerung bis zur letzten Zeitenwende ward ihr Nebelgeschrei zu vernehmen.

Als die Hochzeitsgesellschaft an dem geheimen Ort meiner Hinrichtung ankommt, bleibt die Windsbraut in ihrer Kutsche sitzen, schaut lange auf mich herab, zu mir, der zu ihr aufsieht, zeigt mit ihrem bleichen Schwert auf mich und ruft mit Donnerstimme: »Der da! Der da! Der soll es sein.«

Dickbäuchige Schweinepriester führen Adonis zum Richtplatz

Nun eilen achtzehn glatzköpfige, dickbäuchige rosa Schweinepriester herbei, gekleidet in blutige Ruinengewänder. Sie nehmen mich in ihre Mitte. Sechs links. Sechs rechts. Zwei vorn. Vier am Ende des Aufmarsches. Sie führen mich zu meinem Richtplatz, der in Staub gehüllt ist. Sie schreien mich an:

»Mensch! Sag es!«, und damit ich es nicht vergesse, schreien sie abermals: »Mensch! Sag es!«

Adonis sagt Jaja – die Chimären können es bezeugen

Jetzt spreche ich in sechsundfünfzig Sprachen gleichzeitig, aber mit einer Zunge das, was ich nach dem Willen aller Traumdeuter sagen muss. Auch in meiner Muttersprache sage ich Ja, aber das zweimal, also Jaja.

Meine Trauzeugen, die Chimären, die haben jede neun Augen, die sehen bis ans Ende der Welt und darüber hinaus. Ein Friedhofskäuzchen baut ein Nest in meinem Haar, darinnen wohnt Pan, der trommelt mit zwei Posaunen und gibt bekannt, dass das Hochzeitsmahl beginnen kann. Das Friedhofskäuzchen, das sich nie irrt, badet in der Sonne, von dort ruft es immerzu Vergebung, Vergebung, Vergebung.

Die Neunaugen eilen herbei, in ihren Händen neun Schlapphüte, in denen eine Flüssigkeit schwappt, und die Neunaugen, sie rufen Ursuppe, Ursuppe, Ursuppe, während die Windsbraut sich ihre Windhose vom Leib reißt und auf einer Regenbogenschaukel unter einer Esche Platz nimmt. Dort besteigt der Wetterhahn das Käuzchen. Kleinzack schreit: »Aber nicht doch,« während das Käuzchen flötet, aber ja, aber ja, aber ja doch.

Die Windsbraut schreit: Der da hat Jaja gesagt

Meine Braut, die Windsbraut, die Sansculotte, zeigt erneut mit ihrem bleichen Schwert auf mich und schreit: »Der da! Der da! Der hat Jaja gesagt.« Jetzt packen mich die Wächter des Hühnerstalls und unter kriegerischem Geschrei zerren sie mich vor das Antlitz meiner Windsbraut, der Braut, die der da gerufen hat, der ich hinterhergelaufen bin, zu der ich Ja gesagt habe, aber das zweimal, also Jaja und die jetzt ohne Hosen auf einer Regenbogenschaukel sitzt und den Regenbogen schaukelt, dass der es gleich regnen lassen wird.

Die Erfindung der Ménage-à-trois

Und dort oben, im Farbengeleucht, verwandelt sich meine Windsbraut und Aphrodite, die göttliche, die Schaumgeborene, die ewig junge Aphrodite steht vor mir. Sie schaut mir in die Augen und nennt mich mein geliebter Adonis und sagt zu mir: »Du bist so schön, mein göttlicher Adonis. So schön bist du.«

Während sie noch Lobeshymnen auf mich, ihren göttlich schönen Adonis singt, kommt Persephone hinzu und reklamiert mich ebenfalls als ihren geliebten schönen göttlichen Adonis. Auch sie ruft: »Der da! Der soll es sein.« Dann wendet sie sich Aphrodite zu und flüstert ihr ins Ohr, aber so, dass ich es hören muss: »Geliebte Aphro, den teilen wir uns. Einverstanden?«

Seit dieser Zeit sind Aphrodite, Persephone, Adonis und die Streitschlichterin Kalliope, im Einvernehmen mit Zeus, als die Erfinder der Ménage-à-trois in die Geschichte eingegangen. 🙂 Na ja, in meine Geschichte. Für die anderen Geschichten, dafür will ich mich nicht verbürgen.

Wollen Sie mehr über (mich) den Autoren, erfahren, dann besuchen Sie doch meine „Mich-Seite“ 🙂 oder lesen Sie über den Besuch in Tilsit, meiner Vaterstadt, die jetzts Sowetsk heißen muß und im Kaliningrader Oblast zu finden ist.

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