Neu Mertinsdorf – meine Ahnenlandschaft

Letzte Aktualisierung am 14. Juni 2024 by Hans Blazejewski

 

Ahnenlandschaft Neu Mertinsdorf
Die Ahnenlandschaft um Neu Mertinsdorf


Neu Mertinsdorf: Auf den Spuren meiner Ahnen

Neu Mertinsdorf, meine Ahnenlandschaft, der Ort, an dem mein Omchen, eine von zehn weiteren Mädchen, geboren wurde. Aber nicht nur dort, sondern das ganze frühere Ermland bringt all meine Gefühlsknöpfe zum Singen.
Und da die Ostpreußen es mit dem Diminutiv hatten, so haben sie wohl eher vom „Ermländchen“ anstatt vom Ermland gesprochen. Sie adaptierten polnische Worte und deutschten sie um, wie: „malutki“ was winzig, oder frei übersetzt, klein bedeutet. Meine Ahnen riefen wohl beim Anblick eines Neugeborenen: „So e Kleinerchen“ oder „so e Malutchen.“

Folgen Sie mir und meiner Leseprobe aus meinem Ermland-Blues Manuskript

Angefangen hat alles mit meinem Wunsch, einmal unter dem gleichen Himmel zu schlafen, unter dem meine Großmutter, das Omchen, das Großchen, von besseren Zeiten träumte.

Eine Gegend, die man das Ermland nannte

Also hab ich hingemacht, hab raufgemacht aus dem Norden in eine noch nördlichere Gegend, die man einstmals „das Ermland“ nannte und in der ich vorher nie gewesen bin. Bis dorthin, wo man früher auf der einen Seite die gedachte masurische Grenze vor Augen hatte und auf der anderen den großen Dadaj-See.

Ahnenlandschaft Neu Mertinsdorf - eine Landkarte
Landkarte – Neu Mertinsdorf und drum herum (1944)

Gefunden hab ich die ermländischen Gene meiner Vorfahren. Also auch Teile meiner Gene. Seit der ersten Begehung dieser Ahnenlandschaft besitze ich eine emotionale Heimat, die über mich kam wie Donner den Blitzen folgte, mit denen einst Perkunos zu gewissen Jahreszeiten das Ermländchen bewarf, wie die Alten berichten. Dort hab ich mir meine Catharina, ihren Tadeusz und die alte Babka erträumt.
Herausgekommen ist eine Erzählung, die unter anderem von der Liebe zu einem katholischen Priester handelt. Aber auch davon, daß „man so gern meecht bleiben und muß doch fort“.

Eine Geschichte, die in der Gegend um den Dadaj-See angesiedelt ist. Eine deutsche Geschichte also. Aber eigentlich auch nicht. Eher eine deutsch-polnische. Oder eine polnisch-deutsche, wenn man so will. Ein Ermland-Blues eben. Ein Blues, gespielt auf meinem Autoreninstrument.

Reden wir von einer Taufe, gehalten in der katholi­schen Kirche zu Groß Bartelsdorf. Gehalten von einem jungen Priester. Seine erste Pfarre. Hatte sie vor drei Monaten übernommen. Tadeusz Masoweczki sein Name. Ein Gotteskrieger, der entscheidenden Anteil an unserer Geschichte haben wird. Wir sollten uns seinen Namen gut merken.

Es läuten die Kirchenglocken und verkünden, dass heu­te, am Samstag, dem vierten Mai 1845, Taufe gehalten wird.

(…)

Soweit ein kleiner Einblick in die Neu Mertinsdorfer Gegend, die ich in dieser Einführung als meine Ahnenlandschaft bezeichnet habe. Im Kontext zu meinem Ermland-Blues wird auch oft von Ostpreussen gesprochen. Hier eine vereinfachte Karte mit den einzelnen Ländern und wichtigen Orte.

Ostpreussen und seine Länder
Ostpreußen und seine Länder. Was diese Übersicht verschweigt, ist, dass zwischen der Memel und der eingezeichneten Grenze, das sogenannte Memelland lag. Bis 1918 zum Deutschen Reich gehörig, später von Litauen annektiert, von den Nazis „Heim ins Reich“ geholt um endgültig nach 1945 als Beute an Sowjetisch-Litauen zu fallen.

Lesen Sie auch bitte eine weitere Einführung zu meinem Heimatroman:
Ermland-Blues, aus den Vorarbeiten

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