Am Hexenberg – Eine Gruselige Begegnung Im Urlaub

Letzte Aktualisierung am 16. Februar 2026 by Hans Blazejewski

Der ehemalige Klomfass-Hof in Nowe Marcinkowo

Der ehemalige Klomfass-Hof in Nowe Marcinkowo


Man fährt ins Ermland, will eigentlich nur frische Luft und Ruhe – und kommt mit einem Schnappschuss zweier Hexen vom Hexenberg zurück

Freunde der fantastischen Geschichten — dies muss ich Ihnen unbedingt berichten. Vor Jahren fuhr ich ins Ermland, auf der Suche nach den Spuren meiner Ahnen.
Nahe neben dem Hof, im heutigen Nowe Marcinkowo, auf dem wir Quartier machten, hat es ein kleine Erhebung. Vielleicht 180 Meter hoch: der Hexenberg. Was es mit dem Hexenberg und seiner Geschichte auf sich hatte, darüber schrieb ich bereits in meinem Heimat-Roman Ermland-Blues.

.) 🙁 .)

Es kam vor, dass wir in der Dunkelheit an dem linkseitig gelegenen Hexenberg vorbeigehen mussten. Gruselig war das, besonders im Nebel. Die Kinder, die sonst immer voran liefen, drängten sich jedesmal an uns und blieben still, bis wir hinter einer Kurve das Bauernhaus sahen.

Hexenritt zum Hexenberg

Hexen reiten zum Hexenberg in Nowe Marcinkowo

 

Ein Schnappschuss — zwei Hexen

Auf einem dieser abendlichen Rückwege sahen wir mit eigenen Augen, was es mit dem Hexenberg wirklich auf sich hatte. Mit zitternden Fingern — meine Frau konnte eben noch die Kamera auffangen, gelang mir ein Schnappschuss zweier Hexen die auf schwarzen Höllenpferde zur Spitze des Berges ritten. Ganz ungefährlich war das nicht, wie die Einheimischen später sagten. Wir berichteten dem Hofbesitzer von unserer Begegnung. Er nickte, wurde ein wenig blass und dann erzählte er, dass er die beiden Hexen ebenfalls gesehen habe — aber das sei schon lange her.

Der Pfarrer nimmt Weihwasser, Kreuz und Bibel und reitet zum Hexenberg

Damals sei er zum Pfarrer. Der habe sich ein Silberkreuz um den Hals gehängt, Weihwasser und Bibel in die Hand genommen. Beide seien – wie die Teufel selbst – zum Hexenberg geritten. Gefunden hätten sie nichts; vielleicht hätten die Teuflischen gewittert, wer da komme, und sich aus dem Staub gemacht.
Ja, so war das, sagte Zygmunt, der jetzige Besitzer des Hofes, der zu Deutschzeiten der Familie Klomfaß gehörte. 

Zitat aus dem schon erwähnten Heimat-Roman:

Einmal, so wird gesagt, seien eine Mutter und ihr Sohn auf den Hexenberg gegangen und dort mitten im Sommer von dichtem Nebel überrascht worden. Sie fanden nicht mehr den Weg hinab und mußten mehrere Stunden ausharren, bis der Nebel sich gehoben hatte. Mutter und Sohn wußten ihrer besorgten Familie zu berichten, daß sie dort oben hören konnten, wie die wilde Jagd mehrmals den Hexenberg umrundet habe. (…)

(…) die alte Babka. Von der wissen wir, daß bei Vollmond die Hexen vom nahen Dadaj-See herüberkamen, um auf dem Hexenberg zu tanzen. Wehe, wenn auf den Wiesen unterhalb des Bergs Kühe weideten. Dann machten die Hexen lange Hälse und legten ihre Münder direkt an die Zitzen der Euter. Dann fielen die Kühe trocken und waren trocken für immer. „Hat keine Milch nich mehr gehabt, der Kuhchen“, sagte die alte Babka, die das mit den langen Hälsen gesehen hat.
Auch daß sich eines Abends eine Koza, eine Ziege verirrt habe, die man anderntags erhängt an einem Baum oben auf dem Hexenberg fand, wußte sie zu sagen, die alte Babka, die unterhalb der Mühle in einer kleinen chałupa hauste, zusammen mit einer zahmen Elster.

Wochen später fand ich in meinem Tagebuch ein Gedicht. Ich schwöre, es war nicht von mir — obwohl es in meine Handschrift geschrieben war:

Und es flogen die Hexen den Berg hinan,
den Pferdefüßigen zum Tanze zu fordern,
im fahlen Licht des vollen Mondes.
An Walpurgis war’s. 

Unmenschliches umkreiste den Gipfel in rasender Fahrt,
der Teufel hält Hochzeit dort droben.
Wild treiben es die Buhlen des Satans,
brünstigen Leibes zu Füßen ihm liegend.

O Wandere, gib acht auf dich und die Deinen
und meide den Hexenberg in dieser Nach.


Am Rand hatte jemand, in einer mir fremden Handschrift, notiert:
„Warnung! Hoho! Mit uns ist nicht zu spaßen!“

Am Ende unseres Urlaubs auf dem Hof gab uns Zygmunt einen Rat mit auf den Weg:
Passt auf auf euch. Mit unseren Hexen ist wirklich nicht zu spassen. Uns scheinen sie hier zu respektieren. Niemand von dieser Brut hat sich je auf meinem Hof blicken lassen.




Wenn Sie erfahren möchten wie es in alten Zeiten am Hexenberg zuging, dann lesen Sie bitte hier auf meinem Autorenblog die Sage: Das verwunschene Kloster und ein liebestoller Ritter
oder
was Johannes Praetorius sich 1668  über die Harzhexen ausgedacht hat.

    

Blockes-Berges Verrichtung, Oder Ausführlicher Geographischer Bericht, von den [!] hohen trefflich alt- und berühmten Blockes-Berge.
Untertitel: ingleichen von der Hexenfahrt, und Zauber-Sabbathe, so auff solchen Berge die Unholden aus gantz Teutschland, Jährlich den 1. Maij in Sanct-Walpurgis Nachte anstellen sollen; Nebenst einen Appendice vom Blockes-Berge, wie auch des Alten Reinsteins, und der Baumans Höle am Hartz
Link zum downloaden

Ermland-Blues Titelbild

Ermland-Blues können Sie direkt beim Autor bestellen
TB 215 Seiten – Preis 11.90 € – portofrei
ISBN 978-3-938830-14-7  

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