Lebenslange Liebe: Das Langzeitglück Eines Außergewöhnlichen Paares

Letzte Aktualisierung am 20. April 2025 by Hans Blazejewski

Gott welch Dunkel hier - Oh grauenvolle Stille

Lebenslange Liebe und wie sie gelebt wird

Lebenslange Liebe, kennen Sie das Geheimnis? Glauben Sie, sie kann schwere Zeiten überstehen? Wie sieht gelebte Liebe nach 50 gemeinsamen Jahren aus? Vielleicht gibt uns mein Protagonisten-Paar die Antwort auf diese Fragen.

Lesen Sie die humorvollen und teils (für uns) wunderlichen Dialoge. Spüren Sie, wie jeder der beiden den anderen akzeptiert, so wie er ist. Wollen Sie wissen, was Sie von diesem bemerkenswerten Paar lernen können, dann folgen Sie mir.

Ein Mensch, den wir nicht sehen können singt: Gott, welch Dunkel hier

Dunkelheit. Kein Licht. Keine Geräusche. Jemand räuspert sich. Wir hören, wie einer singt: „Gott, welch Dunkel hier“. Als Arien- und Opernfan haben Sie sofort erkannt: Aha! Florestan! Fidelio! Beethoven!

Das müssen Sie sich mal vorstellen: Der Mann, den wir soeben singen hörten, er heißt Florestan, ist in einem Kellerraum eingesperrt. Fünfundvierzig Stufen unter der Erde. Zappenduster. Spinnen, Mäuse und bestimmt auch Ratten. Ein Lager aus altem Stroh. Ein Loch im Boden. Dort stinkt es nach Notdurft. Das alles kann er nicht sehen, nur erahnen. Besuch? Nie.
Einmal am Tag, auf leisen Sohlen, schleicht ein buckelbehafteter Wärter die fünfundvierzig Stufen nach unten. Der schiebt einen Blechtopf mit einer undefinierbaren Suppe durch ein kleines Gitter in der Tür, während der Suppenbringer den Florestan verspottet indem auch er singt: Gott, welch Dunkel hier! Oh grauenvolle Stille. Laut lachend entfernt er sich.

🙂

Ein Wort zu meiner Beschreibung von Beethovens Fidelio. Das LibrettoFidelio oder Die eheliche Liebe“ wurde von mir in Teilen entfremdet. Ich darf das.
Soweit meine Einleitung zu einer kleinen Geschichte über Lisa-Mimmi, die das i nicht aussprechen kann und stattdessen das e spricht, und ihrem Hellmut, auf den sie Hellmeleen sagt.
Warum ich das mit dem Florestan und der Fidelio-Oper erwähne? Nu, Lisa-Mimmi will mit ihrem Hellmut in die Oper. Fildelio soll es sein.

Lebenslange Liebe à la Lisa-Mimi und Hellmut

Einmal im Jahr, am Abend vor unserem Hochzeitstag, gehen wir groß aus. Diesmal sollte es Fidelio werden. »Fedeleo, well ech mer anhören«, hatte Lisa-Mimmi sich gewünscht. »Gut«, sag ich. »Dann schauen wir uns den an.«

Wer Fidelio hört wird bestimmt nicht taub

»Weeso ansehen«, sagt meine Gattin. »Das est doch keen Felm. Das est eene Oper met Fedeleo, wo een Beethoven geschreeben hat, der später taub wurde. Da werd fast nur gesungen.«
Sage ich: »Nee Lisalein. Fidelio muss ohne mich singen. In so eine Oper, wo man hinterher taub wird, geh ich nich. Da will ich nich hin.« Und schon reiß ich mir die knallrote Krawatte, die ich im Duisburger Zoo erstanden, vom Hals. Die Krawatte, mit den zwei aufgestickten knallzitronengelben Elefanten.
Unter der Krawatte, wir sagen hier Schlips drauf, hab ich ein kleines digitales Wunderwerk. Kleiner als eine meiner Zahnfüllungen. Drücke ich heimlich den dazugehörigen Knopf, so trompeten die Rüsseltiere (Originalaufnahme aus dem Duisburger Zoo). Glauben Sie nicht? Müssen sie auch nicht. Ist nur meine Wahrheit.

Und so kam es, dass wir uns den Film vom Blauen Engel angesehen haben. An der Stelle, an der Marlene Dietrich »Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt« sang, haben wir das mit den Himmbeerdrops noch einmal gemacht. »Oh Lisa-Mimmi, du Luder!«

Lebenslange Liebe: Ein Mann wird an die Wand gesungen – Ein Engel führt Regie

Auf dem Rückweg dann hat Lisa-Mimmi dauernd »ech ben von Kopf bes Fuß auf Leebe eengestellt und das est meene Welt und sonst gar nechts«, gesungen und sich dabei gedreht, so als sei sie beschwipst. Einer, der vorbei kam, hat sich hinreißen lassen zu rufen: »Je öller, je döller.« Na, an den ist sie ganz dicht rangegangen. Der immer weiter zurück bis an eine Mauer. Sie geht noch was näher ran. Ich mit Abstand hinterher. Lisa-Mimmi winkelt das rechte Bein bisschen was an, zeigt ihr Knie und singt den Kerl an die Wand. Der wurde ganz klein mit Hut, sag ich euch.
Hat sie ganz verrucht gesungen: »Männer umschwerrn mech wee Motten das Lecht und wenn see verbrennen, ja, dafür kann ech nechts!« Und dann wir beide: »Wer send von Kopf bes Fuß auf Leebe eengestellt und das est unsere Welt und sonst gar nechts.«
Daraufhin hat der Kerl das Weite gesucht und uns dabei zugerufen: »Ihr habt doch nicht alle Tassen im Schrank!« Nei, ach nei, was haben wir gelacht. Auch noch später beim Zähneputzen. Der hat wohl gedacht, ich sei ihr Zuhälter.
Teufel aber auch! Lisa-Mimmi. Was für ein Weib!

Lebenslange Liebe – die Manfestation in einem Rahmen

Am nächsten Tag bin ich heimlich in so ein Engelgeschäft gegangen. Musste ich mit der Straßenbahn fahren. Mit dreimal umsteigen. Da habe ich ein Bild gekauft und meiner Lisa-Mimmi zum Hochzeitstag geschenkt. Komm also nach Hause und überreiche das Geschenk, auf das ich vorher noch eine Rose gesteckt hatte, die ich zufällig unterwegs hinter einem Zaun fand. Lisa-Mimmi macht das Geschenk auf und ein Freudenschrei füllt die ganze Wohnung aus.
»Ach du leeber meen guter Hellmeleen. Ach du leeber meen guter Hellmeleen. Das est ja der Engel der Leebe. Und dann so een schönes großes Beld.« Dann weint sie bisschen was. Ich sage euch. Mir stand auch fast das Wasser in den Augen.

❤️ Der Engel der Liebe ❤️ hängt jetzt über unserem Bett. Mit Rahmen, damit er immer bei uns bleibt.



Lesen Sie über Lisa Mimmi und Hellmut:
Der Spermatozoen Wettkampf: Ein Gespräch am Frühstückstisch

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