Sind Männer noch ganz normal? ♂ Haben Sie auch so einen?
Letzte Aktualisierung am 9. März 2026 by Hans Blazejewski

Sechs normale Männer bilden ein Rudel
Sind Männer noch ganz normal?
Lesen Sie was ein Nestbeschmutzer über seine Artgenossen schreibt.
Welche Kriterien definieren einen Mann als normal? Wann ist er „nicht normal“? Und wieso Mann? Was ist mit „Frau“?
Bleiben wir bei unserem Mann. Ist er normal? Nehmen wir an, er ist normal, so normal wie ein Herdentier sein kann. Also so normal, wie ein Mann sein kann, der seine Normalität eigentlich nicht erklären muss, weil er sie als gegeben ansieht. Schauen wir uns das an.
Nach der Hormonreife, vielleicht auch schon davor, will der noch nicht Mann eine Geliebte, die er euphemistisch Bekannte nennt. Gern mehrere zur gleichen Zeit oder zeitlich aufeinander folgend.
Mit 36 will er eine treue Frau, aber nicht auf Nebenfrauen verzichten. Kinder? Ja, schon. Aber bitte nur, wenn diese seine Karriere nicht behindern. Also, Frau ist zuständig für die Aufzucht, er übernimmt freiwillig die Präsentation im sozialen Umfeld (mein Sohn – das ist unsere Tochter).
Mit 70 ist er zwangstreu – wer nimmt mich denn jetzt noch? Außerdem ist er herzkrank und Inhaber diverser medizinischer Ersatzteile. Er schluckt Pillen, die zwar helfen, aber leider seine Libido auf null zurückfahren. Sein Glück findet er jetzt darin, Mülltonnen an die Straße zu stellen, den Abwasch zu machen — Töpfe eher selten. Manchmal träumt er von Einmal-Pfannen und Einmal-Töpfen und er sagt: „Jemand sollte mal Einmal-Töpfe und Einmal-Pfannen erfinden. Es gibt doch auch Einmal-Geschirr.“
Wenn ihn die Lust überkommt, geht er in die Sauna und singt innerlich, bei dem Anblick, der ihn dort anspringt: „Auch ich war ein Jüngling mit lockigem Haar.“
Was erwartet den normalen Mann, hat er den „Jüngling mit lockigem Haar“ ausgelebt?
Der normale Mann am Stammtisch
Dort spricht er von seiner „ehemaligen Verlobten, HäHäHä“, manchmal, aber eher selten sagte er „meine Frau.“ Er lacht immer zuerst.
Die Phase des „kompetenten Greises“
Der Mann entdeckt plötzlich Tätigkeiten, die er jahrzehntelang verachtet hat: Kräuter schneiden, Brot backen, Vogelhäuschen reparieren. Er nennt es „handwerkliche Rückkehr zur Natur“, meint aber: Ich brauche etwas, das nicht wegläuft, wenn ich es anfasse und ruft: Lass das! Jetzt nicht, oder: Nicht schon wieder.
Die Phase der „späten Prinzipien“
Mit 75 entwickelt er moralische Überzeugungen, die er mit 35 für „unpraktisch“ hielt. Er sagt Sätze wie: „Man sollte mehr Zeit mit den Kindern verbringen“. „Karriere ist nicht alles.“ „Ich war früher auch mal ein Idiot.“ Er sagt das mit der Gelassenheit eines Mannes, der weiß, dass niemand ihn mehr zur Rechenschaft ziehen wird.
Die Phase der „archäologischen Selbstbetrachtung“
Er beginnt, alte Fotos zu sortieren. Er entdeckt: 17 Frisuren, 4 Autos, 3 Ehen, einen Hund und eine erstaunliche Anzahl von Situationen, in denen er „nur kurz weg“ war. Er nennt das „Lebensbilanz“. Seine Tochter nennt es „Papa, bitte schmeiß das weg.“
Die Phase der „sanften Entwaffnung“
Die Rest-Libido, die ihn noch hochhielt, verabschiedet sich höflich, wie ein Kellner, der die Rechnung bringt. Er ist erleichtert. Zum ersten Mal seit der Pubertät kann er eine Frau ansehen, ohne innerlich Excel-Tabellen zu führen.
Die Phase der „Ersatzheldentaten“
Er rettet: Spinnen, Topfpflanzen, den Nachbarsjungen beim Fahrradreifenaufpumpen. Er sagt: „Ein Mann muss tun, was er tun muss.“ Und meint: „Ich brauche Applaus, aber in kleiner Dosierung.“
Die Phase der „stillen Rückkehr“
Er entdeckt, dass er nicht mehr der Jüngling mit lockigem Haar ist. Aber er entdeckt auch: Er ist jetzt der Mann, der dem Jüngling von damals endlich zuhören könnte.
Die Phase des „Rückzugs ins Argumentationsbiotop“
Er sagt: „Dann geh doch, wenn es dir nicht passt.“ Sie sagt: „Vielleicht tue ich das.“ Er sagt: „Ja, wohin denn… wer will mich denn noch nehmen in meinem Alter? Er stutzt und erkennt seinen Versprecher. Er wollte sagen: wer will dich denn noch nehmen“ Das ist der Moment, in dem der Mann merkt, dass seine Drohung ein Bumerang ist. Er hat jahrzehntelang mit der Illusion gelebt, er sei ersetzbar – aber nur für andere. Jetzt merkt er: Er ist vor allem für sich selbst schwer ersetzbar.
Die Phase der „plötzlichen Demut“
Er beginnt, Dinge zu sagen wie: „Wir hatten doch auch schöne Zeiten.“ „Ich kann mich ändern.“ „Sag mir einfach, was ich tun soll.“ Er meint das ernst. Für ungefähr 48 Stunden.
Die Phase der „strategischen Häuslichkeit“
Er entdeckt Tätigkeiten, die er früher als „Frauengedöns“ abgetan hat: Müll rausbringen, Spülmaschine einräumen, Fenster putzen (aber nur die unteren). Er nennt das „Partnerschaft auf Augenhöhe“. Sie nennt es „zu spät“.
Die Phase der „biografischen Resteverwertung“
Er beginnt, seine Vergangenheit umzuschreiben: Aus der Affäre wurde „eine schwierige Phase“. Aus dem Karrierewahn „Verantwortung für die Familie“. Aus dem Schweigen: „Ich wollte dich nicht belasten.“ Er glaubt das alles selbst. Das ist sein Talent.
Die Phase der „existentiellen Verkleinerung“
Er merkt: Er ist nicht mehr der vorwärtsstrebende Jüngling. Er ist auch nicht mehr der Mann, der Türen knallt. Er ist jetzt der Mann, der fragt: „Kannst du mir bitte die Lesebrille geben.“
Die Phase der „zärtlichen Kapitulation“
Er sagt nicht mehr: „Dann geh doch.“ Er sagt: „Bleib noch ein bisschen. Ich bin gerade warm geworden.“ Das ist kein Machtspiel mehr. Das ist ein Eingeständnis: Er hat gelernt, dass Nähe nicht selbstverständlich ist. Und dass Liebe nicht durch Jugend, sondern durch Aufmerksamkeit entsteht.
Die Sauna als Schauraum des alternden Mannes
Zwischen dem lockigen Haar und dem vorgeschobenen Bauch sitzt er in der Sauna. Er nennt es „Entspannung“, aber eigentlich ist es ein anthropologisches Feldstudium. Er beobachtet 100 nackte Menschen, die an ihm vorbeiziehen wie Jahreszeiten. Und dann kommt dieser Gedanke, der ihn selbst überrascht:
„Der Mensch ist gut gebaut.“
Er meint nicht seinen Bauch, der sich wie ein schlecht gelaunter Kater auf seinen Oberschenkeln ausruht. Er meint das andere: das Hirn, dieses überdimensionierte Organ, das ihm erlaubt, gleichzeitig zu schwitzen und zu philosophieren.
Der geheime Triumph des Denkens
Er sitzt da, nackt wie alle anderen, aber mit einem Vorteil: Niemand weiß, was er denkt. Er könnte über jeden Einzelnen eine kleine Geschichte erfinden: Der Mann mit dem Handtuch über der Schulter ist bestimmt ein pensionierter Lateinlehrer. Die Frau mit dem roten Gesicht hat gerade beschlossen, ihren Mann zu verlassen. Der junge Typ mit dem Tattoo ist wahrscheinlich unglücklich verliebt.
Er weiß, dass nichts davon stimmen muss. Aber das spielt keine Rolle. Es geht um die Freiheit, denken zu dürfen, ohne erwischt zu werden. Und dann kommt dieser Satz, der ihm innerlich ein kleines Lächeln entlockt: „Ist das nicht wunderbar.“
Die Sauna als letzter Ort männlicher Allmacht
Hier, wo alle Körper gleich weich werden, ist das Denken seine letzte Bastion. Sein Reich. Sein Rückzugsort. Seine unsichtbare Superkraft. Er kann alles denken, was er will. Niemand kann es ihm verbieten. Niemand kann es ihm ansehen. Niemand kann es ihm ausreden. Es ist die letzte Form von Freiheit, die ihm geblieben ist: die Freiheit der inneren Kommentare, keiner Zensur unterworfen. Und gleichzeitig weiß er:
Wenn er die Sauna verlässt, wenn er wieder in die Küche kommt, wenn seine Frau sagt: „Dann geh doch, wenn es dir nicht passt“, dann wird er antworten: „Ja, wohin denn … wer will mich denn noch … in meinem Alter …“ Und in diesem Moment ist er wieder ganz Mensch. Nicht gut gebaut. Nicht überlegen. Nicht souverän. Sondern einfach nur: ein normaler Mann, der hofft, dass jemand bleibt.
Die Selbstschöpfungsfantasie des alternden Mannes
Er sagt: „Wenn es mich nicht geben würde, müsste man mich erfinden – aber bitte nur nach meinen Vorstellungen.“ Das ist der Moment, in dem der Mann sich selbst als Prototyp betrachtet. Nicht als Mensch, sondern als Konzept. Ein Konzept, das er für so gelungen hält, dass die Welt es unmöglich ohne ihn aushalten könnte. Natürlich weiß er gleichzeitig, dass die Welt sehr gut ohne ihn auskäme. Aber das sagt er nicht. Er sagt lieber Sätze, die klingen wie Betriebsanleitungen für sein Ego. Er meint:
„Ich bin einzigartig.“
„Ich bin kompliziert.“
„Ich bin ein Geschenk.“
„Ich bin schwer zu ersetzen.“
Und gleichzeitig:
„Bitte verlass mich nicht.“
„Ich weiß, ich bin anstrengend.“
„Ich habe Angst, dass ich austauschbar bin.“
Mit Gebetsmühlen lässt sich kein Korn mahlen.
Der Mann sagt: „Ich arbeite an mir.“ Was er meint: Er dreht an seiner inneren Gebetsmühle. Immer dieselben Sätze, dieselben Vorsätze, dieselben Versprechen. Aber das Korn bleibt ungemahlen. Die Mühle macht Geräusch, aber kein Mehl. Und er findet das ungerecht. Er sagt: „Ich tue doch was.“ Und meint: „Ich bewege mich im Kreis, aber mit Überzeugung.“
Wer meine Geldkatze entwendet, stiehlt mir die reine Leere.
Er trägt seine Geldkatze wie ein Relikt. Nicht wegen des Inhalts – der ist überschaubar. Sondern wegen der Idee, dass etwas ihm gehört. Wenn jemand sie stiehlt, stiehlt er kein Geld. Er stiehlt die Illusion, dass da etwas war. Die reine Leere. Sein innerer Besitzstand.
Und der Mann sagt: „Das ist ein Angriff auf meine Existenz.“ Und meint: „Ich habe nicht viel, aber das Wenige ist mir heilig.“
Fassen wir zusammen:
Aphorismen — aber männlich
- Busenvergrößerung. An mir nicht!
- Das größte Stück Fleisch? Immer ich.
- Sopranistin? Auch nicht als Kastrat. Da würde meine ehemalige Verlobte nicht mitspielen.
- Äbtissin in einem Nonnenkloster, oder Abt? Eigentlich schade.
- Musste heute Kassler essen. Der Hund nicht, zu salzig.
- Frauensauna? Sehr gern! Leider nicht. Der kleine Unterschied.
- Als Mann hab ich nur Nachteile. Meine Prostata.
- Als Mann hab ich nur Nachteile. Samstag morgens Brötchen holen.
- Meine ehemalige Verlobte hat immer das letzte Wort.
- Schamlippen-Piercing. Ich nicht! Ja wo denn?
- Girlsdä? Schleich dich. Mein Pubertierchen, die ja!
- Als Mann muss immer so tun, als wüsste ich, wie der Fernseher funktioniert.
- Ich darf nicht frieren. Männer frieren nicht. Männer „finden es frisch“.
- Ich muss ihren Koffer tragen, weil sie sagt „Du bist doch stark.“
- Als Mann muss ich immer wissen, wo Norden ist. Auch im Keller.
- Als Mann darf ich nicht sagen, dass ich Angst habe. Ich darf nur sagen: „Das sieht nicht vertrauenswürdig aus“.
- Ich muss immer so tun, als hätte ich einen Plan. Auch wenn ich gerade nicht mal weiß, wo ich meine Brille hingelegt habe.
- Als Mann hab ich nur Nachteile. Ich muss immer grillen. Auch bei Regen. Auch bei Schnee. Auch wenn ich lieber drinnen wäre.
- Als Mann hab ich nur Nachteile. Ich darf nicht zugeben, dass ich Rosamunde Pilcher eigentlich ganz beruhigend finde.
- Autofahren, immer will sie, obwohl ich der bessere Fahrer bin, trotz der sieben Flens.
- Als Mann muss ich immer so tun, als würde ich mich mit Werkzeug auskennen. Auch wenn ich den Imbusschlüssel für eine moderne Kunstform halte.
PS
In einem Forum fand ich folgenden Dialog. Er ist echt. Er ist nicht von mir. Er ist selbsterklärend.
A: halli hallo, ich bin zufällig auf das forum gestoßen … gibt es hier noch normale männer auf der welt????
B: Was meinst du mit „normal“?
A: mhh… gute frage. einfach männer die keine arschlöcher sind.
Autors Nachbemerkung:
halli hallo, ich bin zufällig auf das forum gestoßen … gibt es hier noch normale frauen auf der welt????
Meine Frage an Sie.
Finden Sie ich sei normal – nicht ganz normal – nicht normal?
😊Wählen Sie jetzt 😊
Und dann lesen sie meine Geschichte hier auf diesem Blog über ein Paar, das durch und durch normal ist. Es wohnt in Gelsenkirchen-Buer-Erle, Bochum, Duisburg oder wo ganz anders. Sie kann das „i“ nicht aussprechen und ersetzt es durch ein „e“. Er ist ganz der normale Mann – wie ich oder sie. Glauben Sie nicht? Denn lesen Sie über einen Spermatozoen-Wettkampf am Frühstückstisch.
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